Ortsgeschichte

Ortsgeschichte von Erlenbach und Tiefenthal

Erlenbnach

 

Erlenbach konnte 2015 seinen 1200. Geburtstag feiern, auch wenn der Ort sicherlich viel älter ist. Dies geht zurück auf die erste urkundliche Erwähnung im Vertrag von Retzbach vom 27. März 815, in dem Bischof Wolfger von Würzburg und Abt Ratger von Fulda Streitigkeiten zwischen dem Bistum Würzburg und der Abtei Fulda um den Zehnten beilegen. Darin gesteht der Bischof dem Kloster diese Abgaben zu. 

 

Der Ortsname erinnert an einen – heute noch – erlenbestandenen Bach, der einst mehrere Mühlen antrieb und in Marktheidenfeld in den Main mündet. Es waren dies innerorts die Siebrichsmühle (Schrot und später Sägewerk) und an der Gemarkungsgrenze zu Marktheidenfeld die Stiebermühle (Mehl) und auf der Gemarkungsgrenze die Achinloh-Mühle (Lohe = Eichenrinde für Gerbereien). 

Die Umlandgemeinden haben für die Erlenbacher den Spitznamen: die Linsenspitzer. Zwei mögliche Erklärungen. In Erlenbach wurde Linsenanbau betrieben. In recht trockenen Jahren ändert die runde Linse ihre Form und wird an einer Stelle spitz. 
Vor der Neuanpflanzung bebauten die Winzer, um den Wuchs von Unkraut zu verhindern, einige Jahre lang die Flächen mit Linsen. In diesen versteckten sie sich vor der Weinlese, um nach Dieben der Weintrauben zu „spitzen“. Spitzen kommt also von schauen. 

Noch im späten Mittelalter wird als Besonderheit zu anderen Dörfern Erlenbach „als freies Dorf“ bezeichnet, das nur dem Reich unterstand. 1409 gehörte der Ort zur Cent Remligen und damit zu den Grafen von Wertheim. Nach deren Aussterben 1556 kam das Dorf an das Hochstift Würzburg. 

 

Schon im Vertrag von Retzbach (815) wird eine „ecclesia“, eine Kirche erwähnt. Die erste urkundliche Nennung eines katholischen Pfarrers datiert aus dem Jahr 1401. Im Zuge der Reformation war Erlenbach 1530 bereits lutherisch. 1613 stiftete Fürstbischof Julius Echter die Pfarrei neu. 1618 wurde am Festtag des Hl. Burkard eine neue Kirche zu seinen Ehren durch Weihbischof Eucharius Sang geweiht. Nach dem Abriss des Kirchenschiffs 1965 weihte Weihbischof Alfons Kempf 1967 die neue, jetzt größere Kirche. 

Im Jahre 1822 errichtete die Gemeinde am Kirchberg ein Schulhaus an der Stelle des heutigen linken Seitenschiffes der Kirche und der Parkplätze davor.


Im 1850 erbauten Rathaus war die „II. Schule“ (heutiger Sitzungssaal) und die Wohnung des II. Lehrers untergebracht. 1962 gingen dann alle Schüler in den Neubau in der Schulstraße. Heute werden dort die Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 4 aus beiden Gemeindeteilen unterrichtet. Alle älteren gehen in die weiterführenden Schulen nach Marktheidenfeld. 

Immer wieder hatte die Bevölkerung unter Einquartierung fremder Truppen und Requirierung (Beschlagnahmung) zu leiden. Ein Gedenkstein auf Lengfurter Gemarkung erinnert an den Erlenbacher Andres Schwab, der 1673 von französischen Soldaten erschossen wurde. 

 

1818 wurde der Eichenwald im „Hörst“ (Flurstück zum Dillberg hin) zur Schuldentilgung aus den Franzosenkriegen gerodet und das Holz verkauft. 1055 Gulden Kredit musste die Gemeinde aufnehmen, um den Anteil an den Kosten für den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 bezahlen zu können, auf den die Gründung des deutschen Kaiserreichs folgte. 

Infolge der durch Napoleon ausgelösten Säkularisation (Verweltlichung der Kirchengüter) gelangte 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss das Fürstbistum Würzburg mit Erlenbach und Tiefenthal letztlich zum Königreich Bayern. Durch die Revolution nach dem Ende des 1. Weltkriegs entstand daraus der Freistaat Bayern. 

 

Die Uraufnahme Erlenbachs (eine genaue Karte der Grundstücke) aus dem Jahr 1832 zeigt, dass das Dorf von einer Mauer umgeben war. Spärliche Reste sind heute noch erhalten. Diese Mauer diente ebenso wie der Nachtwächter dem Schutz der Bewohner. Unterbrochen wurde die Dorfmauer durch 4 Tore: Das Ober- und Untertor in der West – Ost – Richtung und das Kettel- und Brückentor in der Nord – Süd – Richtung. Das Brückentor stand noch bis 1888. 

Um 1845 kam es zu einem fürchterlichen Brand in der Ortsmitte zwischen den Straßen Untertor, Wethgasse und Brückentor. Über 60 Jahre war die Brandstätte nicht bebaut. 

 

Die beiden Weltkriege brachten schweres Leid über die Menschen. So hatte Erlenbach im 1. Weltkrieg 31 Gefallene zu beklagen, im 2. Weltkrieg waren es 49 Gefallene und 25 Vermisste, in Tiefenthal 22 und 35 tote Soldaten. 
Durch Flucht und Vertreibung mussten an die 300 Personen in Erlenbach untergebracht werden. Viele von ihnen sind hiergeblieben. Dadurch stieg für die Gesamtgemeinde die Einwohnerzahl von 1373 (1939) auf 1756 im Jahr 1950. Heute (31.12.2017) sind es 2394 Einwohner, davon 1768 in Erlenbach und 626 in Tiefenthal. 

 

Spätestens seit 1771 dürfte es im „Erlenbach Grund“ (Am Weiler) eine Ziegelhütte gegeben haben. Aus Gründen des Feuerschutzes setzte sich im 19. Jahrhundert der Backsteinbau und die Ziegeleindeckung durch, was zu einem wachsenden Bedarf an Baumaterial führte. Bedingt durch den Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren war die industrielle Massenproduktion an Backsteinen noch einmal sehr gefragt, ehe der Betrieb Ende der 50er Jahre eingestellt wurde. Das ehemalige „Büro“, in dem die Kunden die Backsteine bar bezahlten, steht heute noch am Radweg nach Marktheidenfeld. 

In den Gewerbegebieten An der Röthe (1976) und Dürre Wiese (2007) am westlichen Ortsrand haben sich Discounter und Autohäuser angesiedelt, auch Handwerk und ein Fachgeschäft für Eisenwaren und Haus- und Küchengeräte.

Tiefenthal

Während im Vertrag von Retzbach Tiefenthal unter „andere umliegende Ortschaften“ zu suchen sein dürfte, wird im Codex Eberhardi, der die Besitzungen der Propstei Holzkirchen überliefert, namentlich auch „Tifethal“ erwähnt. 

 

Die weitere geschichtliche Entwicklung der ehemals selbstständigen Gemeinde Tiefenthal verläuft entsprechend der Erlenbachs. 

Schon vor 1389 hat es eine Kirche gegeben, da in einer Urkunde Pfarrer Friedrich Gnade als Zeuge aufgeführt wird. Bis zur Reformation war Tiefenthal der für die Lengfurter zuständige Pfarrsitz Die Bauausführung des jetzigen, dem Heiligen Ägidius geweihten Gotteshauses, erfolgte 1781/1782 durch den Tiefenthaler Maurermeister Michael Rummel. Die Weihe nahm der Erlenbacher Pfarrer Johann Michael Stöber vor. 

 

2 ehemalige Schulhäuser stehen noch. Das vor 1840 errichtete Gebäude in der Bergstraße 5 und das Schulhaus in der Kreuzstraße von 1878. Alle Schüler wurden in einem Raum unterrichtet. Als der Raum zu klein wurde, erfolgte die Beschulung im Schichtunterricht vormittags bzw. nachmittags. Aber auch ein weiteres Gebäude, errichtet 1963 mit Küche und Werkraum, konnte die „Schule nicht im Dorf lassen“. Die Grundschüler gehen nach Erlenbach und dann nach Marktheidenfeld. 

 

Eine große Feuersbrunst vernichtete 1747 in der Umgebung der Kirche 15 Gebäude, was bei 65 Familien mit 295 Einwohnern und 55 Wohnhäusern (1830) als eine schlimme Katastrophe angesehen werden muss. 

 

Nach dem Zustandekommen des Süddeutschen Zollvereins (Bayern und Baden) zur Vereinheitlichung von Abgaben im Jahre 1828 besaß Tiefenthal wegen der Nähe zur badischen Grenze hin eine Weggeldstation. 

 

1866 im deutschen Krieg (Preußen gegen Österreich und Bayern) verlor Tiefenthal durch eine von Soldaten eingeschleppte Cholera-Epidemie fast 10% seiner 422 Einwohner. Einem Gelübde folgend findet deswegen jedes Jahr am 2. Juli die Käppele-Wallfahrt statt; die Tiefenthaler pilgern nach Würzburg zum Gnadenbild der Heiligen Maria. 

 

In Tiefenthal arbeitete eine Kalkbrennerei. Nachdem die Lehmvorkommen erschöpft waren und deshalb keine Ziegel (Biberschwänze) mehr hergestellt werden konnten, wurde ab 1936 nur noch Kalk gebrannt. Dieser Kalk musste durch die Zugabe von Wasser „gelöscht“ werden und wurde zum Verputzen bzw. Tünchen der Wände verwendet, ebenso zur Desinfektion der Hühnerställe. 

 

In einer Volksbefragung stimmte die Tiefenthaler Bevölkerung für die Eingemeindung nach Erlenbach, was zum 1.1.1975 rechtswirksam wurde. Tiefenthal brachte damit 488 Bürgerinnen und Bürger neu in die Gemeindeehe. Die neue Gemeinde Erlenbach mit Ortsteil Tiefenthal war dann 1976 Gründungsmitglied der Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld mit Sitz im Gebäude des ehemaligen (königlichen) Bezirksamts in Marktheidenfeld. 

 

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